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Mein kleiner Wahlsalon

6. November 2012 Kommentare aus

Im Waschsalon an der West Marquette Road in Chicago herrscht Hochbetrieb. Latina-Frauen falten plaudernd ihre Wäsche, vereinzelt sitzt ein Mann auf einer Bank und wartet vor einem Trockner. Ein Junge spielt an einem Pinnball-Automaten. An ihm gehen die Bürger vorbei, die ihre Stimme abgeben wollen. Denn Su Nueva Lavanderia ist heute das Wahllokal für Ward 13 im fünften Wahlbezirk.

Marie McCalip wählt im Waschsalon Su Nueva Lavandaria in Chicago
Foto: John Zich/ Polaris 2012

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Obamas Nachbarn drücken Daumen

5. November 2012 Kommentare aus

In Chicagos Viertel Hyde Park ist alles noch wie 2008. Die Studenten von der nahen Universität schlendern durch die Straßen, das beliebte Café Medici’s verkauft immer noch die T-Shirts mit der Aufschrift: “Obama eats here”. Im Hyde Park Hair Salon ist man immer noch stolz, dass der Präsident sich hier einst die Haare schneiden ließ, auch wenn sein letzter Besuch lange zurück liegt.

Janice Brewster Foto: John Zich 2012

Natürlich hoffen die Menschen im liberalen Intellektuellen-Milieu von Hyde Park, das eines der erstenViertel in Chicago war, wo Schwarze und Weiße gemischt beisammen wohnen, dass ihr berühmter Nachbar wieder gewählt wird. Janice Brewster geht auf dem Heimweg auf der anderen Straßenseite oft an der Hecke vorbei, hinter der das Haus der Obamas steht.  Sie schiebt einen Einkaufstrolley, auf dem Kopf trägt sie eine braune Mütze mit Obama-Logo. Sie hat die Mütze auch noch in rot und schwarz.

Natürlich geht sie am Dienstag wählen! Sie wird eine Obstkiste als Hocker mitnehmen, falls sie vor dem Wahllokal warten muss. „Er ist ein guter Präsident“, sagt die 57-Jährige. Dann reißt sie die Augen auf wie ein schwärmerischer Teenager. „Und er ist ein gut aussehender Präsident!“ Leider hat sie Obama noch nie auf der Straße getroffen, sagt die schwarze Jazzpianistin betrübt. „Ich habe ihn leider immer verpasst.“ Weiterlesen…

Hello Kitty for President

31. Oktober 2012 Kommentare aus

Die Nachbarn in Washington haben vor ein paar Tagen auch ihr Wahlkampfschild in den Vorgarten gestellt, es hat sogar Hurrikan Sandy überstanden. Darauf steht weder Barack Obama noch Mitt Romney, sondern Hello Kitty. Eine Internet-Recherche ergibt, dass die kitschige Cartoon-Katze schon Mitte Oktober einen Fanartikel-Laden in Washington eröffnet hat. Daher stammt dann wohl auch dieses Schild. Auf Facebook hat die Katzen-Kampagne mehr als zehn Millionen Fans.

Die Katze ist weder Demokratin noch Republikanerin, sondern vertritt die “Friendship Party”. Das Ganze ist schon ziemlich kindisch, zumal hinter Hello Kitty auch ein Super Pac steht: das Unternehmen Sanrio, das mit dem Katzenkopf auf Stiften und Kinderrucksäcken ein Mords-Geschäft macht.

Aber vielleicht ist es andererseits auch verständlich, dass manche Amerikaner, die seit Monaten mit den immer gleichen Fernseh-Werbespots und Robocalls aus dem Obama- oder Romney-Lager genervt werden, einfach nur noch wünschen, dass diese Wahl endlich vorbei ist.

Auf die Eckkneipe ist Verlass

30. Oktober 2012 Kommentare aus

Es ist ja eigentlich ganz gemütlich, einen Tag lang zu Hause zu sitzen, Tee zu trinken, und zum ersten Mal in diesem Herbst vor dem Kamin zu sitzen. Auf jeden Fall sehr viel angenehmer, als bei heftigem Dauerregen und Windböen, die 80 Stundenkilometer erreichen, den Hund spazieren zu führen. Das ist leider drei Mal am Tag nötig – der Hund mag es auch nicht.

Aber wenn man stundenlang nur den Regen platschen hört und im Fernsehen das Wasser an die Küsten schwappen sieht, bekommt man einen Lagerkoller. Was tun?

Glück gehabt, die Eckkneipe hält durch. Am Straßenrand sind die Autos wild geparkt, jemand hat sich sogar auf den Zebrastreifen gestellt. Die Stadt Washington ahndet keine Parksünden, solange der Hurrikan tobt. Weiterlesen…

Cooking up a storm

29. Oktober 2012 Kommentare aus

Selten so gut gegessen, werden viele sagen, die sich während Hurrikan Sandy zu Hause verbarrikadiert haben. Denn die Wasserkanister, Nüsse und Müsli-Riegel, die viele Amerikaner in den Tagen vor dem Sturm wie Hamster gehortet haben, sind ja nur für den äußersten Notfall da. Als Erstes wollten die frischen Zutaten verbraucht werden – und so brach in vielen Küchen des Landes am Wochenende eine echte Koch- und Backwut aus, die sich am Montag noch zu steigern schien. Denn was soll man schon anderes tun, während draußen der Regen an die Scheiben peitscht?

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Klimawandel? Da war doch was

29. Oktober 2012 1 Kommentar

Sagt der Klimawandel zu den USA: “Take that, idiots!” So ließ sich der Klimaschutzaktivist Nathan Currier in der Huffington Post aus. Die Ironie, dass Hurrikan Sandy wenige Tage vor den Präsidenten- und Kongresswahlen die Nordostküste lahm legt, lassen sich Umweltschützer in den USA nicht entgehen.

Das Thema Klimawandel hatte im Wahlkampf bisher keine Rolle gespielt. Auf Seiten der Republikaner war der einzige Bewerber um die Kandidatur, der das Phänomen anerkannte, früh aus den Vorwahlen ausgeschieden. Und den Gewinner der Partei, Mitt Romney, müsste man wohl als Agnostiker bezeichnen. Weiterlesen…

Gottes Werk und Vergewaltigers Beitrag

25. Oktober 2012 1 Kommentar

Amerikanische Bekannte klagen oft, dass wir Europäer uns so gerne an  Klischees über ihr  Land abarbeiten. Wir Journalisten berichten mit Vorliebe über Themen, die diese Vorurteile bestätigen: die grassierende Fettleibigkeit, die Todesstrafe – und natürlich die Rolle, die „God and Guns“ im Wahlkampf spielen. Zu unserer Verteidigung verweisen wir dann darauf, was in der amerikanischen Presse  typischerweise zu Deutschland erscheint:  Berichte über Neo-Nazis oder neueste Erkenntnisse über die Nazi-Zeit. Erst  in jüngster Zeit wurden die von Analysen der deutschen Politik während der Euro-Krise verdrängt.

Es ist wieder an der Zeit, unseren Bekannten Anlass zu Kritik zu geben:  Denn was soll man dazu sagen, wenn im Wahlkampf in Ohio Anstecker verteilt werden, auf denen steht: „Better the Morman than the moron“, besser der Mormone (Romney) als der Depp (Obama). Und ja, Mormone ist auch noch falsch geschrieben. Und was sollen wir Europäer machen, wenn ein Kandidat für den ehrwürdigen US-Senat im Wahlkampf sagt, falls eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger werde, sei dies „von Gott gewollt“?  Weiterlesen…

Ein Abend ohne Romney und Obama

25. Oktober 2012 Kommentare aus

Immer nur Barack Obama und Mitt Romney – ist das nicht furchtbar langweilig? Viel Leidenschaft kam in diesem Wahlkampf bisher nicht auf. Die drei Fernsehdebatten wurden mit großem Tamtam angekündigt und waren doch nur eine Schlacht fein abgestimmter „talking points“. Vorsicht ist die Mutter einer professionell geführten Kampagne in einer Zeit, in der schon die Erwähnung von Bibo aus der Sesamstraße einen tagelangen Medienrummel auslösen kann.

Wer sich offene Worte zu aktuellen Fragen gewünscht hatte, wurde enttäuscht, als Obama und Romney  um die heißen Themen herumtänzelten. Aber wer sagt denn, dass es immer diese beiden sein müssen? Statt am Montag die Glotze einzuschalten, hätte der interessierte Bürger sich am Dienstag vor den Computer setzen sollen, um die Kandidaten zu sehen, die bisher nicht zu Wort gekommen waren. Sender von CNN bis Al Jazeera übertrugen die Debatte der „third-party candidates“ in Chicago  im Internet. Moderiert wurde sie vom pensionierten CNN-Host Larry King. Das ist der Herr mit den Hosenträgern, Sie erinnern sich?

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Armband-Politik

20. Oktober 2012 Kommentare aus

Es ist etwa zwei Jahre her, dass unter Mädchen im Teenageralter ein Hype um die Silly Bandz ausbrach – kleine bunte Siliconbändchen, die die Form von Tieren oder Objekten annehmen, wenn sie vom Arm gestreift werden. In dieser Woche trug der US-Präsident im Wahlkampf einen rosa Siliconreifen am rechten Arm. Haben seine Töchter ihn verspätet auf den Trend hingewiesen? Natürlich nicht. Der Reif des Präsidenten hat eine ernstere Botschaft. Dieser Monat ist Breast Cancer Awareness Month, und rosa ist die Farbe der Organisation Pink Ribbon, die sich auch in Deutschland bemüht, die Sensibilität für Brustkrebs zu stärken. Aber dieser Monat ist auch der letzte vor der Präsidentenwahl in den USA. Und Obama kämpft in diesen Tagen darum, seinen Vorsprung bei weiblichen Wählern zu halten. Deshalb ist die Modefarbe pink.

Der Republikaner Mitt Romney müht sich auch um die Stimmen der Frauen. Seine Frau Ann trug zur zweiten TV-Debatte am Donnerstag pink. Ihr Mann schreckt bisher vor der Farbe zurück – was aber auch daran liegen kann, dass er schon ein Armband hat. Seines ist aus dunklem Metall und er trägt es am linken Arm über der Uhr. Es trägt den Namen von Christopher Horton. Der Scharfschütze der Nationalgarde war 2011 im Kampfeinsatz in Afghanistan getötet worden. Ein KIA-Band nennt man so etwas, ein Gedächtnisband zu Ehren eines Soldaten, der an der Front starb, „killed in action“. Weiterlesen…

On the road mit Romney

14. Oktober 2012 1 Kommentar

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