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Romneys Siegesrede ist 1118 Worte lang
Es war der letzte Flug einer langen Wahlkampfreise, die Mitt Romney 16 Monate lang kreuz und quer durch Amerika geführt hat: von Pittsburgh nach Boston. Romney hat in den letzten Tagen viel gesprochen, viel gelernt – und dabei die wichtigste Waffe eines jeden Präsidenten verloren: seine Stimme. “Sorry”, krächzt er vor Reportern, “ich möchte jetzt lieber nicht mehr so viel sprechen.” Schließlich wird er seine Stimme noch brauchen, heute Nacht, nach seinem großen Sieg.
Dass er die Wahl gewinnen wird, steht für den Republikaner längst außer Frage. Den gesamten Flug über habe er seine Siegesrede geschrieben, erzählt Romney mit letzter Kraft: genau 1118 Worte, kurz und bündig. Reden ist Silber, Schreiben ist Gold. Und falls er nicht gewinnt?
Nicht gewinnen ist für Romney keine Option. Also gibt es auch keine zweite Rede. Behauptet er jedenfalls. Und zeigt sich “sehr stolz über den eigenen Wahlkampf”. Gemeinsam mit seinen Leuten habe er alle Kräfte mobilisiert: “Wir haben bis zum Ende gekämpft – und wir werden gewinnen.”
Zum Inhalt seiner Rede möchte sich der selbst erklärte Sieger allerdings noch nicht äußern, schließlich wird in vielen Bundesstaaten noch gewählt. Und dann, in einem kurzen, klaren Moment der Wahrheit, scheint selbst Romney zu erkennen, dass das Rennen ums Weiße Haus womöglich doch noch nicht endgültig gewonnen ist. “In der Politik ist alles möglich”, sagt er leise. Und das klingt schon fast wie eine Drohung.
Auf Romneys Wahlfeier gilt: Ausländer raus
Ich sitze vor meinem Laptop und kann es nicht fassen. Montag früh, ein grauer kalter Morgen in Boston. Wie hunderte anderer Journalisten auch bin ich von New York nach Massachusetts gefahren, um direkt aus der Wahlnacht zu berichten. Umgeben von seinen Strategen, Parteifreunden und wichtigen Spendern will Mitt Romney am Dienstagabend seinen Sieg über Obama feiern.
Die Republikaner haben dafür extra das Kongresszentrum gemietet – und ich will dabei sein. Ich will erleben, wie Romney seine erste Rede als künftiger Präsident hält. Oder wie er seine Niederlage einräumen muss. Und ich will direkt berichten, für meine Leser in Deutschland.
Nur Mitt Romney will das offenbar nicht. Denn Korrespondenten aus Europa müssen draußen bleiben. Wenn sie hören wollen, was Ronney nach der Wahl zu sagen hat, können sie doch den Fernseher einschalten.
Ein Affront gegen die großen Medien der Welt – und eine Blamage für das Foreign Press Center (FPC). Im Auftrag der jeweiligen Regierung kümmert sich das FPC seit Jahrzehnten um die Korrespondenten in Amerika, organisiert Veranstaltungen, Reisen und versorgt die Medien mit Informationen. Auch die Berichterstattung aus der Wahlnacht in Boston hat das FPC bereits Monate im Voraus geplant. Und jetzt schlägt Romney ihnen einfach die Tür vor der Nase zu. „So etwas ist uns noch nie passiert“, heißt es beim FPC. „Höchste Stellen in Washington haben sich der Sache angenommen, aber bislang ohne Erfolg.“
Alles bleibt anders
In den guten alten Zeiten, als die Wände und die Züge in New York noch bunt waren und die Graffiti-Welle von Harlem aus die ganze Welt erfasste, blieb von Brooklyn bis in die Bronx kaum eine Fassade verschont. Heute, 30 Jahre später, ist die umstrittene Kunst aus der Dose weitestgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Mit harter Hand hat die Stadt durchgegriffen, drakonische Strafen verhängt – und tausende Überwachungskameras installiert. Und wenn doch mal irgendwo ein Graffiti auftauchen sollte, wird es sofort entfernt. Wehret den Anfängen!
Der Lack ist ab, ganz New York ist wieder porentief rein. Ganz New York?
Nein, denn eine kleine Straße mitten in Brooklyn leistet Widerstand. „Obama Will Change Everything“ hat irgendein Künstler dort an die Wand gesprüht. Weiß auf schwarz, nicht besonders kunstvoll – aber inhaltlich grandios.
The Hottest Ni**a in New York
Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei ungewöhnlichen Männern. Beide sind groß geworden in schwierigen Verhältnissen, beide haben starke, selbstbewusste Frauen – und beide sind schwarz in Amerika. Der eine hat ein Vermögen gemacht mit Rap-Musik. Der andere wohnt seit 2009 im Weißen Haus.
Alles fing an im Sommer 2008, als der New Yorker Rapper Jay-Z junge Afro-Amerikaner öffentlich dazu aufforderte, ihre Stimme abzugeben für Barack Obama, den ersten „Brother President“. Eine nette Geste unter Brüdern, und eine echte Hilfe für Obama im Wahlkampf.
Ein halbes Jahr später hatte Amerika tatsächlich seinen ersten schwarzen Präsidenten gewählt. Und als der im Januar 2009 offiziell ins Amt eingeführt wurde, durfte Jay-Z natürlich nicht fehlen. Freundlicherweise brachte der Rapper aus dem fernen Brooklyn seine Gattin mit, eine hübsche Sängerin namens Beyoncé. Die konnte dem neuen Präsidenten gleich noch ein Ständchen singen. Wie praktisch.
In Gottes Namen
Joseph „Call-me-Joe“ Mitchell ist einer von den Guten. Jedenfalls hier, in Tennessee. Im tiefen Süden, mitten im „Bible Belt“, im echten Amerika. „Wir haben noch Werte, gute Werte“, sagt er mit seiner ruhigen, tiefen Stimme.
Vor fünf Minuten waren wir noch zwei Fremde, jetzt sitzen wir gemeinsam an einem kleinen Tisch in einem kleinen Café in einer kleinen Stadt. Wir trinken Kaffee und reden über Gott und die Welt. Eigentlich mehr über Gott und weniger über die Welt, denn hier in Chattanooga sind die Menschen ihrem Gott sehr nahe. Und der Rest der Welt ist verdammt weit weg.













