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Alle Hoffnung verweht

7. November 2012 Kommentare aus
Kim Bode am Times Square

Kim Bode am Times Square in Manhattan in der Wahlnacht.
Foto: Kai Nedden

Hurrikan Sandy hat der Wall Street doch mehr zugesetzt als bisher gedacht. Eine erste Ahnung davon kriege ich schon, als ich am Anfang meines Wahlabends aus der gleichnamigen Subway-Station trete: Um kurz vor 18 Uhr ist hier ungewöhnlich wenig los, die Straßen sind wie ausgestorben. Kalt ist es geworden in New York, ja. Aber so sehr, dass sich keiner mehr auf die Straße wagt?

Je näher ich meinem ersten Ziel – der Stone Street, dem traditionellen Feierabend-Treffpunkt der Börsenhändler – komme, desto mehr bestätigt sich meine Befürchtung: Mehr als eine Woche nach dem Sturm läuft hier noch nichts wieder rund. In diversen Straßen stehen lärmende Trucks und Maschinen, die Wasser aus den Tiefen pumpen, aus einem Hochhaus scheint das gesamte Inventar in Bruchteilen herausgetragen zu werden. Im Wahllokal in der Parallelstraße zur New York Stock Exchange erzählt mir ein Anwohner, dass noch immer kaum ein Gebäude hier unten im Financial District Heizung und Warmwasser hat.

Mein Weg zur zweiten Station an diesem Abend, einer privaten Wahlparty eines Bankenanalysten, führt mich nach Midtown, wo viele der großen Finanzinstitute mittlerweile ihre New Yorker Zentralen haben. Dass heute Wahltag ist, merkt man hier kaum. In den schicken Bars und Steakhäusern, den einschlägigen Etablissements der Branche, hängen dezente TV-Flachbildschirme an den Wänden – unbeachtet von den speisenden, trinkenden, redenden Gästen.

Erst am Times Square erschlägt einen plötzlich das Ereignis. In Neonblau, -rot und -weiß. Hier muss ich meinen Fotografen verabschieden, denn die Wall Streeter wollen lieber unter sich sein. Gefeiert wird – wie so häufig – hinter verschlossenen Türen.

Ich aber darf rein ins schicke Apartmenthaus mit Front zum Central Park. Vorbei an der Wasserfall-Wand und dem Portier, der mich freundlicherweise schon zum Fahrstuhl schickt, während er oben anruft und meine Ankunft ankündigt. Dort laufen die Prognosen bereits heiß. „Es sieht nicht gut aus für uns“, sagt ein Kollege des Gastgebers.

Über einem Buffett mit würzigem Käse, Antipasti und delikaten Wursthäppchen tauschen die Gäste ihre Wahllokal-Geschichten aus. Für viele war es das Erste, was sie an diesem Tag gemacht haben – trotz Warteschlangen von bis zu zwei Stunden. “Ich weiß, dass meine Stimme nicht mal zählt, aber es fühlt sich so gut an zu wählen”, sagt die Freundin des Gastgebers. Ihr Gesprächspartner kontert: “Der einzige Grund, warum ich hier wähle, ist, um es den Demokraten zu zeigen.” Dann setzt er noch einen drauf: „Wie sollen wir weitere vier Jahren mit diesem Mann überleben. Ich glaube, ich muss nach Texas umziehen.”

Ich schaue mich um. Ein Mann im grauen Wollpullover – statt dem obligatorischen hellblauem Hemd – sieht etwas andersdenkend aus. Ich sollte recht behalten. Ob er denn Obama auch schlimm finde, frage ich. „Obama ist mir zu weit rechts von der Mitte“, antwortet der frühere Banker, der jetzt bei einer Wirtschafts-Denkfabrik arbeitet. „Er ist viel zu nett zur Wall Street gewesen. Ich finde, er hätte die Banken aufspalten sollen.“ In Investmentbanking und Privatkundengeschäft, meint er, so wie es vor Aufhebung des Glass-Steagall-Acts war.

So wie es auch Elizabeth Warren will, die an diesem Abend den Senatssitz für die Demokraten in Massachusetts zurückerobert hat. “Oh nein, diese Kommunistin“, schimpft der Arbeitskollege. Ob er denn aber tatsächlich gedacht habe, dass der republikanische Kandidat das Amt übernehmen werde? „ Es sah gut aus für ihn. Aber dann kam Sandy und hat die Aufmerksamkeit von Romney weggelenkt.“

Es braucht nicht mehr lange, dann brechen alle nach und nach auf. „Muss morgen früh raus“, murmeln sie vor sich her. Die nächsten Tage werden sicherlich nicht langweilig. Und es fegt auch bereits ein neuer Sturm auf New York City zu.

Jay-Z hat kein Problem mit Mitt

6. November 2012 Kommentare aus

Dass Jay-Z und seine Frau Beyoncé ausgesprochene Obama-Fans sind, ist landläufig bekannt. Am Tag vor der Wahl zeigte sich der Rapper umso zuversichtlicher: Probleme gebe es genug – 99 an der Zahl -, aber Mitt Romney gehöre nicht dazu. So reimte Jay-Z für Obamas letzten Wahlkampfabend am Montag kurzerhand seinen Hit “99 Problems” um: “If you having world problems I feel bad for you, son. I got 99 problems, but Mitt ain’t one.” – “Wenn du Probleme mit der Welt hast, tut mir das leid für dich, Sohn. Ich habe 99 Probleme, aber Mitt ist keines davon.” Ein Video-Mitschnitt des Auftritts verbreitet sich derzeit im Netz wie ein Lauffeuer.

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Schmutzige Schmierkampagne

1. November 2012 Kommentare aus

Dass es in der Politik des Öfteren schmutzig zugeht, ist ja nichts wirklich Neues. Ein Haustier-Fachgeschäft im beschaulichen Fort Greene im New Yorker Stadtteil Brooklyn gib dem Begriff “Schmierkampagne” jedoch noch mal eine ganz neue Bedeutung. Von Außen sieht alles noch ganz harmlos aus:

Nur fragt man sich, was denn eigentlich die Karikaturen von Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney im Schaufenster eines Tierladens machen. Ein selbst bekritzeltes Blatt Papier klärt auf: “Whose face do you want to use to pick up your poop?” – “Welches Gesicht möchtest du nutzen, um deinen Hundekot aufzuheben?”. Denn die Karikaturen sind nicht einfach irgendwelche Poster, sondern “Smear Campaign Poop Bags”, also Plastikbeutel zum Aufheben von Hundemist. Weiterlesen…

Kekse und Spiele

23. Oktober 2012 1 Kommentar

New Yorker lieben Parties. Und New Yorker lieben Cocktails. Wenn also die  US-Denkfabrik “Council of Foreign Relations” anlässlich des TV-Duells zum Thema Außenpolitik zur Viewing-Party und Cocktails lädt, dann bedeutet das ein volles Haus. Nobles Upper-East-Side-Flair samt Granit-Böden und holzvertäfelten Wänden hin oder her – eineinhalb Stunden vor Start der Debatte stürmen die geselligen Metropolen-Bürger den Veranstaltungssaal wie ein Pop-Konzert, um auch ja einen guten Platz und einen ersten Drink abzugreifen.

Kekse in Esel- und Elefantenform

Doch dort wartet die erste Enttäuschung. Die Polit-Junkies hätten an diesem Abend sicherlich mit Vielem gerechnet, aber das bringt den einen oder anderen zunächst aus dem Konzept: Keine Cocktails weit und breit. Dafür Wein, weißer und roter, neben Wasser und Saft sowie diversen würzigen Käsesorte, Feigen und Gemüsesticks. Auf den Tischen stehen weiße Schalen mit roten und blauen M&Ms (die Farben der Parteien), daneben liegen Plätzchen in Esel- und Elefantenform bereit (die tierischen Symbole der Parteien, natürlich auch in der jeweils passenden Farbe). Na dann – der Abend kann beginnen.

Die ersten Worte des Gastgebers Jonathan Tepperman, geschäftsführender Redakteur der  hauseigenen Publikation “Foreign Affairs”, geben den Ton an für diesen Abend. Er warnt seine zwei geladenen Experten-Gäste auf dem Podium: “Wenn Sie zu lange reden, schieße ich mit dieser Wasserpistole auf Sie.” Dabei schwenkt er eine pinke Mini-Spritzpistole in der rechten Hand. Das Publikum ist auch nicht gefeit: Wer zu ausladende Fragen stellt oder wessen Handy klingelt, dem blüht das gleiche Schicksal. Die ersten Lacher sind Tepperman sicher.   Weiterlesen…

Obama und Romney im Becher-Duell

10. Oktober 2012 Kommentare aus

Es ist eng geworden für Präsident Barack Obama in den Wahlumfragen. Aber eine gibt es noch, bei der er weit vorne liegt: Die Kaffeebecher-Abstimmung von 7-Eleven. Funktioniert ganz einfach: Blaue Becher für Obama, rote für Romney. 60 Prozent der „Wähler“ haben so bisher für den aktuellen Präsidenten gestimmt. Für den republikanischen Kandidaten bleiben die übrigen 40 Prozent übrig. Demnach liegt Romney derzeit in nur drei Bundesstaaten vorn: West Virginia, New Hampshire und Idaho.

Damit steht der „Coffee Cup Poll“ im deutlichen Gegensatz zu den aktuellen offiziellen statistischen Erhebungen. Anfang der Woche hatte Mitt Romney den Amtsinhaber zum ersten Mal in einer Umfrage überholt: Laut einer Befragung vom Pew Research Center steht es jetzt 49 zu 45 für Romney. Andere Meinungsforschungsinstitute sehen zwar immer noch den Präsidenten vorn, aber in einem waren sie sich einig: Das erste TV-Duell der beiden Kandidaten in der vergangenen Woche spielte definitiv Romney zu.

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