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Change-Nostalgie in Harlem
Die Straßen von Harlem sind leer. Ein paar Passanten eilen durch die Kälte. Die Bars: leer. Vor den großen Fernsehern, die Wahlprognosen zeigen, sitzt kaum jemand. Egal mit wem man spricht, alle erzählen von früher: “Vor vier Jahren lagen sich die Leute auf der Straße in den Armen”, sagt der Besitzer des Fisch-Imbiss. “Vor vier Jahren war diese Veranstaltung ein Riesenerfolg”, sagt der Direktor des Schomburg Zentrums für Forschung zu Schwarzer Kultur, Khalil Gibran Muhammad. Er hat heute zur Wahlparty in das Forschungszentrum geladen, aber die meisten Plätze im riesigen Auditorium sind leer. In Harlem ist kaum jemand noch begeistert von diesem ersten schwarzen Präsidenten, der ihnen Hope und Change versprach – vor vier Jahren.
Geübt dank Sandy
Ich stehe hier ganz schön im Weg herum. Würde ich heute in diesem Land wählen dürfen, wäre das hier mein Wahllokal: Die Kantine der John D. Wells Junior High School in Brooklyn, New York. In dem Raum mit den bunten Kinderbildern stehen die Wähler Schlange. Sie haben Hunde dabei, Kinder toben herum, im Raum surrt das Gemurmel in vielen Sprachen.
Zwischen ihnen wuselt José Feliciano herum, er ist der Koordinator in meinem Bezirk. Seit 5 Uhr morgens ist er hier, seitdem ist er auf den Beinen. „Anstrengender Tag“, ruft er, als er an mir vorbei eilt. Er hat Turnschuhe angezogen, damit ihm die Füße nicht wehtun, und ein gelbes T-Shirt, damit man ihn von weitem sieht. Er spricht Englisch mit den Wählern und viel Spanisch, geduldig beantwortet er die immer wieder gleichen Fragen. „Wo ist meine Wahlkarte? Wie fülle ich das aus? Was soll ich unterschreiben? Brauche ich meinen Pass?“
Die Heldin des Orkans
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schlägt sich bislang als Krisenmanager ganz gut, da sind sich die meisten New Yorker einig. Aber geliebt wird er dafür noch lange nicht, der sperrige Superreiche. Geliebt wird dafür jemand ganz anderes: Bloombergs Gebärden-Dolmetscherin.
Lydia Calas heißt die hübsche Dunkelhaarige, die bei Bloombergs diversen Fernsehauftritten und Pressekonferenzen neben dem grauen Bürgermeister steht – und ihn ganz schön grau aussehen lässt. Ihre lebendige und emotionale Mimik und Gestik begeistert die New Yorker. Sie hat sogar schon ihre eigene Fanseite im Internet. „Her face says what our city’s heart feels”, heißt es da – Ihr Gesicht sagt, was unser Herz fühlt. New York ist eine verwundete Stadt. Und die USA sind ein Land, das Heldengeschichten liebt. Calas, die unfreiwillige Heldin, ist das neue Gesicht der Katastrophenretter. „Ich könnte sie stundenlang beobachten“, schreibt ein Blogger. „Wir brauchen keinen anderen Helden“, bloggt ein anderer.










