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Change-Nostalgie in Harlem

6. November 2012 Kommentare aus

Die Straßen von Harlem sind leer. Ein paar Passanten eilen durch die Kälte. Die Bars: leer. Vor den großen Fernsehern, die Wahlprognosen zeigen, sitzt kaum jemand. Egal mit wem man spricht, alle erzählen von früher: “Vor vier Jahren lagen sich die Leute auf der Straße in den Armen”, sagt der Besitzer des Fisch-Imbiss. “Vor vier Jahren war diese Veranstaltung ein Riesenerfolg”, sagt der Direktor des Schomburg Zentrums für Forschung zu Schwarzer Kultur, Khalil Gibran Muhammad. Er hat heute zur Wahlparty in das Forschungszentrum geladen, aber die meisten Plätze im riesigen Auditorium sind leer. In Harlem ist kaum jemand noch begeistert von diesem ersten schwarzen Präsidenten, der ihnen Hope und Change versprach – vor vier Jahren.

Geübt dank Sandy

6. November 2012 Kommentare aus

Ich stehe hier ganz schön im Weg herum. Würde ich heute in diesem Land wählen dürfen, wäre das hier mein Wahllokal: Die Kantine der John D. Wells Junior High School in Brooklyn, New York. In dem Raum mit den bunten Kinderbildern stehen die Wähler Schlange. Sie haben Hunde dabei, Kinder toben herum, im Raum surrt das Gemurmel in vielen Sprachen.

Zwischen ihnen wuselt José Feliciano herum, er ist der Koordinator in meinem Bezirk. Seit 5 Uhr morgens  ist er hier, seitdem ist er auf den Beinen. „Anstrengender Tag“, ruft er, als er an mir vorbei eilt. Er hat Turnschuhe angezogen, damit ihm die Füße nicht wehtun, und ein gelbes T-Shirt, damit man ihn von weitem sieht. Er spricht Englisch mit den Wählern und viel Spanisch, geduldig beantwortet er die immer wieder gleichen Fragen. „Wo ist meine Wahlkarte? Wie fülle ich das aus? Was soll ich unterschreiben? Brauche ich meinen Pass?“

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“Pass auf, dass die den Richtigen wählen!”

6. November 2012 Kommentare aus

„Viel Spaß heute am Wahltag!“, schreibt mir ein Freund auf Facebook. „Mal schauen, wie lange ich es schaffe, heute Nacht wachzubleiben“, schreibt ein anderer. Und in einer SMS heute morgen: „Pass auf, dass die den Richtigen wählen!“ Meine deutschen Freunde sind aufgeregter über diese Wahl in einem Land tausende Kilometer entfernt als die meisten Amerikaner.

Facebook, Twitter, Instagram sind voll mit dieser Wahl in den USA – und viele Posts kommen aus Deutschland, nicht aus dem Wahlland. Dabei hat sie auf Europa und auf die Weltpolitik wahrscheinlich weniger Einfluss als alle amerikanischen Präsidentenwahlen zuvor. Obama oder Romney, wer auch immer Präsident wird, wird sich mehr um die Probleme im eigenen Land  kümmern als um Außenpolitik.

Von der Facebook-Seite von Gordon J Millar

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Die letzten Stunden für Obamas Bodentruppe

6. November 2012 Kommentare aus

Zuhause hat er es nicht mehr ausgehalten. „Ich wollte irgendetwas tun“, sagt Ari Voukydis. „Und das hier ist doch viel besser als rumzusitzen und immer nervöser zu werden.“ Es sind nur noch wenige Stunden bis zur Wahl und Aris Stimme zählt nicht so recht. Er lebt in New York und die Demokraten sind hier klar in der Mehrheit – die Stimmen der Wahlmänner des Bundesstaats gehen darum ohnehin an Obama, ob Ari nun zur Wahl geht oder nicht. Darum hat er sich etwas anderes gesucht, einen anderen „patriotischen Akt“, wie er sagt, um seinem Präsidenten Barack Obama zur Wiederwahl zu verhelfen.

Den ganzen Montag über sitzt er in einem leer geräumten Restaurant in Brooklyn und telefoniert. „Hallo, mein Name ist Ari und ich arbeite ehrenamtlich für Obamas Kampagne. Haben Sie schon gewählt?“, fragt er. „Haben Sie am Wahltag vielleicht noch ein wenig Zeit, Werbung für Obama zu machen?“ Ein großer Teil von Obamas Werbekampagne wird von Menschen wie Ari getragen. Menschen, die ihre Freizeit opfern oder Urlaub nehmen, um Stimmen für Obama zu fangen. Sie sitzen in kleinen Läden oder Restaurants, allein in New York City gibt es dutzende dieser so genannten Phone Banks. Obamas Bodentruppe telefoniert ausgefeilte Listen mit Telefonnummern ab, um die letzten Wähler zusammen zu trommeln – oder um neue Freiwillige zu finden, die wieder neue Wähler anrufen, an Haustüren klopfen oder Flyer verteilen. In diesem so knappen Rennen könnten Menschen wie Ari den Unterschied machen.

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Die Heldin des Orkans

30. Oktober 2012 Kommentare aus

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schlägt sich bislang als Krisenmanager ganz gut, da sind sich die meisten New Yorker einig. Aber geliebt wird er dafür noch lange nicht, der sperrige Superreiche. Geliebt wird dafür jemand ganz anderes: Bloombergs Gebärden-Dolmetscherin.

Lydia Calas heißt die hübsche Dunkelhaarige, die bei Bloombergs diversen Fernsehauftritten und Pressekonferenzen neben dem grauen Bürgermeister steht – und ihn ganz schön grau aussehen lässt. Ihre lebendige und emotionale Mimik und Gestik begeistert die New Yorker. Sie hat sogar schon ihre eigene Fanseite im Internet. „Her face says what our city’s heart feels”, heißt es da – Ihr Gesicht sagt, was unser Herz fühlt. New York ist eine verwundete Stadt. Und die USA sind ein Land, das Heldengeschichten liebt. Calas, die unfreiwillige Heldin, ist das neue Gesicht der Katastrophenretter. „Ich könnte sie stundenlang beobachten“, schreibt ein Blogger. „Wir brauchen keinen anderen Helden“, bloggt ein anderer.

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